|
|
3 Vor- und Nachteile der TelearbeitDie Vorteile der modernen Arbeitsform "Telearbeit" sind neben den die Allgemeinheit berührenden Gedanken der Verkehrsverminderung und der Eingliederung von Frauen und sozialen Randgruppen (z. B. Behinderter) für den Telearbeiter und den Unternehmer unterschiedlich zu beurteilen. Für den Arbeitgeber stehen meist geminderte Vorhaltungskosten für Räumlichkeiten und Ausstattung, eine größere Flexibilität im Personaleinsatz, die Abwälzung von Kosten für technische Einrichtungen des Arbeitsplatzes sowie die Einsparung von Kosten für die Papierkommunikation im Vordergrund; auch eine schnellere unternehmensinterne Informationsübermittlung läßt sich zumindest bei Großunternehmen feststellen. AT&T konnte durch den Einsatz von Telearbeit seine Büroflä-che in Manhatten von 6500 auf 2400 qm senken und behauptet, für jede Million Dollar, die in die Virtualisierung des Unternehmens investiert werden, zwei Millio-nen Dollar an Gebäudekosten zu sparen. Daneben scheinen erste Erfahrungen aus der Praxis eine Tendenz zur Verbesserung der Arbeitsergebnisse sowie eine effizi-entere Kundenbetreuung zu bestätigen. Die Vorteile für den Telearbeiter sind dagegen insbesondere in einer freieren Arbeitszeitgestaltung, dem Wegfall von Wegekosten sowie die erhöhte Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu sehen. Den vorstehend aufgeführten Vorteilen der Telearbeit sind jedoch wiederum differenzierende Nachteile entgegenzuhalten. Für den Arbeitgeber fallen diesbezüglich insbesondere die schlechteren Überwachungsmöglichkeiten, unter Umständen hohe Ausstattungskosten für besondere EDV-Arbeitsplätze, die Verminderung des Grades an Vertraulichkeit sowie die Ab-hängigkeit von dem Gebührensystem für allgemeine Kommunikationssysteme ins Gewicht. Für den Telearbeiter werden dagegen die Nachteile eher in der Vereinheitlichung und Monotonie von Arbeitsaufgaben, geringeren beruflichen Aufstiegschancen, der sozialen Isolation, den fließenden Grenzen zwischen Arbeitseinsatz und Freizeit (insbesondere bei vereinbarter Abrufarbeit) und nicht zuletzt in der Schwächung seiner betrieblichen und gewerkschaftlichen Interessenvertretung zu sehen sein. Andererseits scheint es einen deutlichen Trend zur Einbindung hochqualifizierter Arbeitskräfte in die Telearbeit zu geben. Das Potential der Auftraggeber für selbständige Spezialisten steigt reziprok zur Abhängigkeit von der räumlichen Nähe. Einerseits dem Wunsch nach Flexibilität der Auftragsnehmer entgegenkommend, ist eine permanente Anstellung von Spezialisten für die Unternehmen nicht mehr notwendig und ermöglicht den Auftragsnehmern, für verschiedene Unternehmen in ihrem Fachgebiet tätig zu werden und so ihre Fachkompetenz erhalten und ausbauen zu können. Besonders deutlich wird die Kritik gegenüber der Telearbeit von den Gewerkschaften ausgedrückt. Kurt van Haaren von der Postgewerkschaft schreibt z.B.: "Eine derartige Arbeitsform wird nach wie vor von uns Ablehnung finden, wenn sie zur einseitigen Risikoverlagerung auf den Arbeitnehmer, zur Durchlöcherung betrieblicher Schutzstandards und zur Scheinselbständigkeit führt.&qout; Die Gewerkschaft Chemie-Papier-Keramik kommentiert: "Von Freude über Telearbeit kann sicherlich nicht die Rede sein." Aber es gibt auch hier andere Sichten. So schreibt z.B. die IG Metall in ihrem Fazit zur Telearbeit und den virtuellen Unternehmen : "Es entsteht eine neue Generation von Mitarbeitern, die Telearbeit nachdrücklicher fordern wird, als dies bisher der Fall war. [...] Neue Unternehmen und neue Strukturen werden jedoch zusammen mit neuen, multimedialen Kommunikationssystemen Teleworking zur breiten Realität machen. Es müssen daher in vielen Betrieben mehr Mög-lichkeiten geschaffen werden, bei denen die Mitarbeiter alternativ Arbeiten auch außerhalb des Betriebes erledigen können. Dies muß durch Zeiterfassung nd Arbeitszeitregelungen abgedeckt sein und darf auch nicht an unberechtigten Widerständen im Management scheitern." Auf der anderen Seite sind nach Schätzung der National Union of Journalists in Großbritannien, der Gewerkschaft für Reporter, Redakteure, Fotografen und andere Fachkräfte aus den Bereichen Zeitungs-, Zeitschriften- und Verlagswesen, Hörfunk, Fernsehen und Öffentlichkeitsarbeit, mittlerweile ein Viertel ihrer Mitglieder Selbständige. Aus diesem Sachverhalt haben sich eine Reihe von Dienstleistungen entwickelt, um die Betroffenen mit Arbeit zu versorgen: Zunächst bietet die Gewerkschaft ihren Mitgliedern verschiedene Weiterbildungsseminare an, in denen z.B. vermittelt wird, wie man Zeitungen und Zeitschriften eine Geschichte richtig anbietet. Darüber hinaus wird jährlich ein Verzeichnis aller Freiberufler mit Angabe ihrer Qualifikation und Interessen herausgegeben, anhand dessen sich Auftraggeber orientieren können, wenn sie eine bestimmte Fachkraft suchen. Den Journalisten stehen Leitfäden für Vergütungen oder Verträge zur Verfügung, und sie können über das NUJNET im Internet miteinander kommunizieren, bzw. Datenbankre-cherchen durchführen. Die mit der Telearbeit zusammenhängenden Probleme lassen sich dabei zurückführen auf den rechtlichen Status des Telearbeiters. |